Chen Shi Taijiquan
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| Mittwoch, 18. Juli 2007 | |
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EntstehungDer Chen-Stil gilt als der wohl älteste Stil des Taijiquan (Tai Chi Chuan). Der Chen-Stil des Taijiquan wurde im 17. Jahrhundert von der Familie Chen im Dorf Chenjiagou entwickelt und über Generationen hinweg hauptsächlich innerhalb der Familie weitergegeben. Seine Entstehung wird im Allgemeinen Chen Wangting (???, 1597 - 1664, 9. Generation) zugeschrieben, einem General der Ming-Dynastie, der sich nach dem Fall dieser nicht nur den Kampfkünsten, sondern auch den daoistischen Traditionen widmete.Chen Wangting schuf mehrere Boxformen, darunter eine Langform mit 108 Figuren und eine Form Paochui "Kanonenfaust", sowie die Übungen der "Schiebenden Hände" (Tuishou) und der "Klebenden Speere". Die äußere Form seiner Figuren geht hauptsächlich auf "Die 32 Formen des Boxens" von General Qi Jiguang (16. Jhdt.) zurück, er änderte diese jedoch entsprechend seinen Erkenntnissen ab, die er aus dem Studium des Daoyin und des Tuna (daoistische Übungssysteme, die auch die Grundlage vieler Qi Gong-Stile bilden), sowie eines daoistischen Alchemie-Klassikers von Huang Ting gewonnen hatte. So entstand eine Kampfkunst, die gleichzeitig als Medium einer grundlegenden körperlichen, charakterlichen und spirituellen Transformation des Menschen dient. Inwieweit es bei der Entstehung Einflüsse aus der Kampfkunst und den Traditionen der daoistischen Klöster der Wudang-Berge gegeben hat, ist umstritten. Zumindest die Bezeichnung Taijiquan für die Kampfkunst ist jedoch eindeutig auf Mitglieder der Chen-Familie zurückzuführen.
Die wichtigsten GenerationenChen Changxing Chen Changxing (1771 - 1853) fasste die von Chen Wangting überlieferten Formen in den zwei Formen des "Alten Rahmens" Laojia zusammen. Die 14. Generation um Chen Changxing ist auch insoweit bedeutsam, als um diese Zeit das Taijiquan außerhalb der Chen-Familie Verbreitung fand. Man kann sagen, dass mit Yang Luchan (1. Generation Yang-Stil), der Schüler von Chen Changxing war, das Taijiquan begann, seine Verbreitung erst in China, dann in der ganzen Welt anzutreten. Bis heute ist die Struktur der Laojia Yilu "ersten Form des alten Rahmens" in allen seriösen Systemen des Taijiquan erkennbar. Ebenfalls 14. Generation Chen-Stil war Chen Youben, Schöpfer des "Kleinen Rahmens" Xiaojia. Sein Schüler und Neffe Chen Qingping unterrichtete in einem Nachbardorf namens Zhaobao und zu seinen Schülern gehörte unter anderem Wu Yuxiang, den man als den Begründer des alten Wu/Hao-Stils bezeichnet. Chen Fake
Erst Großmeister Chen Fake (1887 - 1957, 17. Generation des Chen-Stils), sein Sohn Chen Zhaokui (18. Generation), sein Neffe Chen Zhaopi (18. Generation) und sein Schüler Großmeister Feng Zhiqiang (18. Generation) machten diesen Stil einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich, nachdem Taijiquan durch den Yang-Stil Vertreter Yang "der Unbesiegbare" Luchan bereits berühmt geworden war. Feng Zhiqiang hat später eine Synthese aus Hunyuan Qigong, Xingyiquan und dem Chenstil des Taijiquan geformt und nennt es Chen Shi Taiji Hunyuan Xingyi.
Das SystemCharakteristisch für den Chen-Stil ist das Wechselspiel von weichen, fließenden Bewegungen und schnellen, explosiven Techniken, sowie die ausgeprägten Spiralbewegungen. Das regelmäßige Training soll zu einer umfassenden Ausbildung von Geist und Körper führen. Neben einer wohltuenden Wirkung auf die Gesundheit ist der Chen-Stil eine hochentwickelte Kampfkunst. Die traditionellen Formen beinhalten eine Vielzahl verborgener Selbstverteidigungstechniken, die erst durch die Anleitung eines erfahrenen Lehrers ersichtlich werden. Zhan Zhuang - aufrechtes Stehen Das Zhan Zhuang (站庄) oder die "Stehende Säule" bildet die Grundlage des Übens. Mit ihrer Hilfe baut man den Körper lotrecht und zentrumsorientiert auf. Dabei sind detaillierte Haltungskorrekturen durch einen fähigen Lehrer von überragender Wichtigkeit. Durch langes Stehen in immer besser ausgerichteter Struktur wird einerseits der Geist zur Ruhe gebracht, andererseits die Grundlage für die innere Alchemie geschaffen, wobei das "Schwere" nach unten durchsinken kann und dadurch das "Leichte" aufsteigt, nämlich insbesondere das "Shen", die vergeistigte Form der körpereigenen Energie Qi. Das Shen bildet übrigens auch die Grundlage für alle Formen der sogenannten "Erleuchtung". Andererseits erlaubt das Sinkenlassen des Gewichts die Ausbildung eines erstaunlich stabilen Standes - die sogenannte "Wurzelkraft". Ein Meister dieser Kunst kann völlig entspannt dastehen, auch wenn mehrere Leute gleichzeitig mit aller Kraft versuchen, ihn wegzuschieben. Chansigong
Das "Seidenfadenziehen", auch "Seidenübungen" oder "Reeling Silk" bilden ein Kernstück in der Praxis des Chen Taijiquan. Bereits Chen Xin (16. Generation, 1849 - 1929) beschreibt in seinem Werk die Theorie der Seidenübungen. Chen Xiaowang hat die Seidenübungen in zwei Sätzen zu zehn bzw. vierzehn Übungen zusammengestellt. Taiji Taolu - Die Taijiform
Die Form ist das Kernstück, unterteilt in Laojia Yilu (1. Form alter Rahmen) und Laojia Erlu (2. Form alter Rahmen, "Paochui") sowie Xinjia Yilu (1. Form neuer Rahmen) und Xinjia Erlu (2. Form neuer Rahmen, "Xinjia Paochui"). Es gibt auch eine Reihe von kurzen Handformen, so gehen z.B. die 19er und die 38er Kurzformen auf Chen Xiaowang zurück. Die Waffenformen des Chenstils sind: Schwert, Doppelschwert, Säbel, Doppelsäbel, Stock/Speer, Hellebarde Tuishou - Die Schiebenden Hände "Schiebende Hände" ist Taijiquan zu zweit. Es gibt verschiedene Übungsroutinen: ein- und zweihändiges Tuishou, ohne und mit Schritten, in höheren oder auch sehr tiefen Stellungen, mit ganz festgelegten oder auch freieren Abläufen. "Hört" man in der Form nur auf das eigene Qi, so kommt hier noch dasjenige des Übungspartners dazu. So ist Tuishou ein wesentlicher Schritt auf dem Weg zur Anwendbarkeit des Taijiquan als Kampfkunst. Es gibt auch Tuishou-Übungen, die direkt in Form eines Wettkampfs durchgeführt werden können, was eine Möglichkeit der objektiven Überprüfung des eigenen Trainingsfortschritts bietet. Meditation Innerhalb der Tradition der Chen-Familie wird auch ein Meditationsprogramm gepflegt. Dieses ist in drei Stufen aufgebaut, wodurch es einerseits für den Anfänger zugänglich ist, andererseits den Fortgeschrittenen zu beliebig hohen Zielen führen kann. In der ersten Stufe werden im Sitzen Armbewegungen ausgeführt, die an die Seidenübungen angelehnt sind. Diese Armbewegungen bieten einerseits dem unruhigen Geist einen Haltepunkt, nach der daoistischen Idee des "zehntausend Gedanken durch einen Gedanken ersetzen". Andererseits bewirkt die Übung bei konsequenter Anwendung eine Stärkung des energetischen Körperzentrums im Unterbauch. Dieses ist von direkter Bedeutung für die Kampfkunst: Der Kämpfer mit dem stärkeren Zentrum kann den Gegner kontrollieren und gewinnt so den Kampf. Hat der Übende eine klare Wahrnehmung des eigenen Zentrums entwickelt, wird die zweite Stufe sinnvoll. Hierbei ruhen die Hände im Schoß, und die volle Aufmerksamkeit des Übenden konzentriert sich im Zentrum. Dadurch wird nocheinmal das Zentrum gestärkt und außerdem Konzentrationskraft und geistige Disziplin entwickelt. Dies ist die Voraussetzung für das sinnvolle Üben der dritten Stufe, in der auch der eine letzte Gedanke, nämlich der ans Zentrum, losgelassen wird und der Geist in die Leere eintritt. Diese Leere ist dann weitgehend gleichbedeutend mit der Erleuchtung im buddhistischen Sinne. Auch diese Stufe hat direkte Relevanz für die Kampfkunst: Der Geist löst sich zunehmend von starren Vorstellungen und erlangt so die Freiheit, sich in jeder (Kampf-)Situation spontan den sich wandelnden Umständen angemessen zu verhalten. |
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| Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 18. Juli 2007 ) |