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Nach einer kleine Odysee über verschiedene Stilarten im Taiji, bin ich nun zu dem, WICHTIG: rein subjektiv empfunden, sinnvollsten Stil gelangt.
Es geht nicht um ein Ausspielen der Familienstile gegeneinander. Im Grunde lehren sie alle Teile des Ganzen, und ich gehe davon aus, dass selbst die Chen-Familie einen Teil verloren hat bzw. andere, vielleicht auch neuere Aspekte in den anderen Familienstilen besser repräsentiert werden. Dennoch erscheint mir das System der Chen-Familie als das umfangreichste, ursprünglichste und ganzheitlichste. Dies ist wiederum ein rein subjektiver Eindruck. Und das sei nicht nur eine Phrase. Im Yangstil hatte ich das Glück mit einigen Lehren aus verschiedenen Traditionen zu trainieren, und ich darf mit fug und recht sagen, dass ich dort einiges gelernt habe.
Für mich ist das schöne am Chen Shi Taijiquan, in der Tradition von Großmeister CXW, die Dynamik. Die Tempiwechsel zwischen völlig nach innen gerichteten, fließenden, spiralig runden Bewegungen und explodierenden Fajing-Bewegungen. Die anspruchsvollen, fordernden Bewegungsabläufe, die sowohl Muskelkraft fordern, als auch Koordination und Beweglichkeit fördern. Im Chen Stil scheint mir das alles viel stärker vertreten zu sein, als im Yangstil oder anderen Familienstilen. Und schließlich scheint mir das Gong fu noch lebendiger. Kantiger, anwendungsbezogener, gleichzeitig aber auch spiraliger. Es hat noch Ecken und Kanten und ist nicht so samtglatt, das macht für mich auch seinen Charme aus.
Weseentlich für mich ist aber folgendes:
Die Lehre. Es scheint mir eine wesentlich tiefergehende Lehre im Chen-Stil vorhanden zu sein und vermittelt zu werden, als ich sie im Yang-Stil angetroffen habe.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass auch wenn Wissen vorhanden ist, es im Yang-Stil nicht, unzureichend, teilweise bzw. nicht sofort weitergereicht wird. (Geheimnisse, Esoterik)
Die Schülerschaft oder Klientel ist im Yangstil auch eine andere, als im Chen-Stil. Das mag auch daran liegen, dass der Chen-Stil zwar der wesentlich ältere und ursprüngliche Stil ist, aber der Yang-Stil derjenige, der Taiji weltweit und gerade auch in Deutschland publik gemacht hat. Hier finden sich viele „Esoteriker“ wieder, die gar keinen Bezug zu Kampfkunst haben. Kampfkunst ist aber das Wesen des Taijiquan. Ohne diesen Bezug bleiben Formen und Anwendungen leer und bedeutungslos. Meiner Meinung nach bleibt auch der gesundheitliche Aspekt auf der Strecke, wenn man den Kampfkunst-Aspekt ignoriert. Wenn Taiji ohne Kampfkunst-Aspekt betrieben wird, neigen die Anwender dazu, zu weich und anspruchslos zu werden, damit geht dann auch eine weitgehende Ergebnislosigkeit des Trainings einher.
Weiterhin habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Lehrer mit Ausbildungsgrad Leher (Ausbildungszeit 7-8 Jahre!) in der WCTAG, eine wesentlich ausgeklügeltere Didaktik und Lehrkompetenz an den Tag legen, wie ich sie im Yang-Stil erlebt habe. Gerade die stehende Säule, das Zhan Zhuang, habe ich bisher noch nirgends so detailiert und tiefgreifend erklärt bekommen. Die Ergebnisse sprechen für sich.
Doch allem Lob zum Trotz, den Stein der Weisen findet man im Chen-Stil nicht. Und in anderen Stilen finden sich genügend gute Praktiker und Theoretiker. Hier darf man mich nicht falsch verstehen. Und wieder einmal: dennoch! Dennoch scheint es mir so, das die Kompetenzen im Chen-Stil wesentlich höher und dichter verteilt sind. Daran hat sicher das Heimatdorf Chenjiagou einen mächtigen Anteil. Dort ist Chen Shi Taijiquan gelebte Tradition und fester Bestandteil des Lehrplans. Ich denke es gibt in keinem anderen Familienstil so viele Kapazitäten wie im Chen-Stil. Das macht den Stil in meinen Augen sicherer, gerade für Einsteiger.
Darin liegt auch einer der Schwächen des Yangstils. Der Stil ist in sich stark aufgesplittet in Meister oder Meisterschüler, die in aller Regel dann eigene Verbände mit modifizierten Formen und Anwendungen gründen. Es sind somit immer nur sehr wenige Kenner für so einen Stil "verantwortlich". Um so begrenzter ist das Wissen, vor allem die Möglichkeit es weiterzugeben.
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